GdG St. Peter Mönchengladbach-West

Brief an mich

Brief schreiben (c) Pfarrbriefservice.de
Datum:
Do. 9. Dez. 2021
Von:
Monika Peine

Dieser Tage habe ich einen Brief gefunden, den ich vor vielen Jahren an mich selber geschrieben hatte. Was für ein schöner und wohltuender Zufallsfund! Beim Lesen war ich erstaunt, dass ich mich an manche Themen von damals gar nicht mehr erinnern konnte - sie haben sich scheinbar im Laufe der Jahre im wahrsten Sinn des Wortes „über“-lebt. Mir wurde deutlich, wie viel sich seitdem in meinem Leben verändert hat, aber auch, dass mich manche der damaligen Gedanken heute noch beschäftigen.

Ich entschloss mich, noch einmal einen Brief an mich selber zu schreiben.

Weil ich es mag, handgeschriebene Briefe zu bekommen, in denen deutlich wird, dass ich als Person gemeint bin, wählte ich wertiges Papier, schrieb mit meinem Füller, setzte Ort und Datum und wählte eine warmherzige Anrede an mich.

Ich schrieb über Momente, die mich froh machen, über Begegnungen die mich in letzter Zeit bewegten, und ich lobte mich für all das, was ich richtig gut kann und/ oder richtig gut gemacht habe.

Ich schrieb über meine Kraftquellen, Glanzstunden, über Schicksalsstunden, Schwieriges und Leichtes, das mir in der letzten Zeit widerfahren ist.

Ich schrieb aber auch über meine Ängste und Sorgen, über das, was mich traurig stimmt und bedrückt und über Belastungen, die ich gern loslassen möchte.

Ich überlegte mir, womit ich mich gern versöhnen will, was bleiben soll, weil es für mich bisher wertvoll war und was ich an Neuem ausprobieren möchte.

Beendet habe ich meinen Brief mit einem wertschätzenden Gruß und meiner Unterschrift.

 

Er liegt jetzt, an mich adressiert, in einem zugeklebten Umschlag an einem geheimen Ort und ich werde ihn Weihnachten öffnen und ein erstes Mal komplett lesen.

Heute möchte ich Sie, liebe Leserin/ lieber Leser animieren, sich auch einmal einen Brief zu schreiben.

Wählen Sie dazu eine Form, die Ihnen entgegen kommt.

Egal ob Sie mit der Hand schreiben oder mit der Maschine, ob Sie ihn später per Mail oder per Briefpost versenden, ob Sie eine Freundin/ einen Freund bitten, Ihnen den Brief an einem bestimmten Datum wiederzugeben, oder ihn verschlossen an einem sicheren Ort aufbewahren, einzig Wichtig dabei ist, dass zwischen dem Tag des Schreibens und dem Tag des ersten Lesens mindestens 14 Tage liegen.

Vor sich selber brauchen Sie kein Blatt vor den Mund nehmen und vergessen Sie beim Schreiben nicht, sich selber zu loben. Auch wenn das ungewohnt scheint, werden Sie merken, dass gerade Ihnen die schriftlich niedergelegten Begabungen beim ersten Lesen Ihres Briefes besonders wohl tun werden.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen gute Gedanken und viel Vorfreude auf Post, von einem Menschen, mit dem Sie 24 Stunden am Tag zusammen sind und Vorfreude auf einen Brief, dessen Inhalt Sie bald erfreuen und Sie vielleicht etwas überraschen wird.

Monika Peine
Gemeindereferentin