GdG St. Peter Mönchengladbach-West

Du bist mein geliebtes Kind

Du bist mein geliebtes Kind

pansy-2173208_final_by_congerdesign_pixabay_pfarrbriefservice (c) Bild: congerdesign / Pixabay.com - Lizenz In: Pfarrbriefservice.de
Datum:
Fr. 7. Jan. 2022
Von:
Manuela Thies-Diekamp

Das neue Jahr beginnt nach all den Feiertagen für meine Familie mit dem Geburtstag eines meiner Kinder. Schon Tage vorher werden Fotos angeschaut, Alben durchblättert. Wir erzählen gerne und ausführlich, wie das damals war: Das Wunder der Schwangerschaft, das erste Ultraschallbild, auf dem schon ein richtiger kleiner Mensch zu sehen war, die ersten Besuche der Familie im Krankenhaus, die Taufe und später die vielen anderen ersten Male: die ersten Krabbelversuche, erste Schritte, erster Kindergartentag, erster Schultag und so weiter. Immer begleitet von ganz viel Liebe, Applaus und einem Foto-apparat.
Die Weihnachtsgeschichte, wie wir sie aus der Bibel kennen, ist so eine Art Fotoalbum. Aber erzählt wird eine Geschichte, die nicht so heil war, wie auf unseren Familienfotos. Wir hören von einer ungeplanten und unehelichen Schwangerschaft Marias, von einem Verlobten Josef, der sich fast trennen wollte, von einem langen Fußmarsch nach Betlehem, einem Ort, in dem es als Unterkunft nur noch einen Stall gab, in dem schließlich Gottes Sohn geboren wurde, und all die anderen Umstände mit Hirten, Engeln, Sterndeutern. Später muss die heilige Familie auch noch fliehen, weil ein eifersüchtiger König Herodes Angst um seine Macht hat. Viele Bilder und Geschichten ranken sich um das neugeborene Gotteskind, das es gar nicht so leicht hatte zu Beginn seines Lebens. In der Erinnerung aber bleibt ein Fest des Friedens und der grenzenlosen Liebe.
In unserem Familienalbum werden die Fotos weniger, je älter die Kinder werden. Die Kamera, später das Handy, wird meist nur noch im Urlaub gezückt, um einige Schnapp- schüsse zu machen. Das ist auch in der Bibel nicht anders. Wir erfahren nach der Weih-nachtsgeschichte erst wieder etwas von Jesus, als er sich auf einer Reise befindet. Der Zwölfjährige ist mit seiner Familie in Jerusalem auf einer Pilgerreise. Während die Eltern ihn fieberhaft und voller Sorge suchen, sitzt er seelenruhig bei den Schriftgelehrten im Tempel, um mit ihnen zu diskutieren. Jesus beginnt mehr und mehr eigene Wege zu gehen. So ist das eben in der Pubertät. Das ist auch heute so. In der Pubertät werden Freunde und Freundinnen wichtiger. Und schließlich als Erwachsene findet man einen eigenen und selbstbestimmten Weg. Nabelt sich von den Eltern ab. Aber brauchen erwachsene Kinder die Liebe der Eltern deshalb weniger?
In diesen Tagen endet die Weihnachtszeit mit dem Fest und dem Evangelium der Taufe Jesu. Erzählt wird, wie der erwachsene, 30 Jahre alte Jesus von Johannes im Jordan getauft wird. Keine Baby-Taufe also. Und doch erhält Jesus hier einen wunderbaren Zuspruch von seinem Vater im Himmel: „Du bist mein geliebtes Kind. An Dir habe ich Gefallen.“ „Ich liebe Dich, so wie Du bist. Und das, was Du machst, dass finde ich einfach klasse.“, vielleicht wären das Gottes Worte heute. Wie wunderschön, wenn ein Vater oder eine Mutter dem erwachsenen Kind diese Worte voller Liebe sagt und es damit stärkt und ermutigt! Vielleicht – so denke ich – sollte ich das auch meinen erwachsenen Kindern öfter sagen.
Durch die Taufe sind wir alle Kinder Gottes. Auch uns gelten Gottes liebevolle und
mutmachende Worte: „Du bist mein geliebtes Kind. An Dir habe ich Gefallen.“ Welch
wunderbarer Zuspruch zu Beginn des neuen Jahres!


Manuela Thies-Diekamp, Gemeindereferentin