GdG St. Peter Mönchengladbach-West

Eine Tüte voll Freude

Eine Tüte voll Freude (c) M. Th.-D.
Datum:
Fr. 12. Feb. 2021
Von:
Manuela Thies-Diekamp, Gemeindereferentin

Geht Ihnen das auch so? Sie treffen jemanden Bekanntes – natürlich auf Abstand – auf der Straße, im Büro oder sonst wo und fragen: „Na, wie geht’s Dir denn so?“ Erst ein Schulterzucken, dann verzieht der oder die andere das Gesicht und antwortet nach ein paar genuschelten Worten „Corona“ und dann nach wenigen weiteren Worten „Wann ist das endlich vorbei?“ Freude nimmt man in den Augen eher selten wahr, der Mund mit einem möglichen Lächeln verschwindet unter einer Maske.

Und jetzt ist auch noch Karneval abgesagt. Sonst ein Lichtstrahl in der eher dunklen Jahreszeit. Wo wir doch in diesen Zeiten so sehr der Freude und Ablenkung bedürfen.

 

Erster Plan: Not lehrt Beten

Pandemie hin oder her, klar ist ja wohl eines: Freude muss her! Das dachte auch die Frauengemeinschaft in Venn im letzten Jahr, als der Karneval offiziell abgesagt und die jecken Tage zu normalen Arbeitstagen ausgerufen wurden. Sicher, das Virus kam über eine Karnevalssitzung in der Nachbarregion damals auch zu uns. Vorsicht ist also geboten. Auch im Hinblick auf neue aggressivere Mutationen. Aber warum nicht statt Straßenkarneval einen Altweiber-Gottesdienst feiern? Ganz „safe“ und pandemie-verträglich mit dem nötigen Abstand und natürlich mit „Masken“ (medizinischen und sonstigen).

Der Lockdown hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht und der Gottesdienst musste ausfallen. So, wie es oft im letzten Jahr war, musste ein Plan B her. Zum Glück hat das Virus keine Wirkung auf die Kreativität der Menschen – vielleicht lässt sich sogar (bestimmt auch demnächst durch entsprechende medizinische Studien erwiesen) eine eher kreativitäts-fördernde Wirkung feststellen. Gott sei Dank!

 

Zweiter Plan: Alleine beten

Ein Gebet war schnell gefunden, um unsere Bitte um mehr Freude vor Gott zu bringen: Das „Gebet um Humor“ von Thomas Morus:

Schenke mir eine gute Verdauung, Herr,

und auch etwas zum Verdauen.

Schenke mir Gesundheit des Leibes,

mit dem nötigen Sinn dafür, ihn möglichst gut zu erhalten.

Schenke mir eine heilige Seele, Herr,

die das im Auge behält, was gut und rein ist,

damit sie im Anblick der Sünde nicht erschrecke,

sondern das Mittel finde, die Dinge wieder in Ordnung zu bringen.

Schenke mir eine Seele, der die Langeweile fremd ist,

die kein Murren kennt und kein Seufzen und Klagen,

und lass nicht zu, dass ich mir allzu viel Sorgen mache

um dieses sich breit machende Etwas, das sich "Ich" nennt.

Herr, schenke mir Sinn für Humor,

gib mir die Gnade, damit ich ein wenig Glück kenne im Leben

und anderen davon mitteile.“

 

Aber ganz ehrlich…

Zusammen beten macht doch mehr Freude. Und gemeinsam Feiern noch mehr. – Ein neuer Plan muss her!

 

Dritter Plan: Eine Tüte voll Freude

In einer Nacht- und Nebelaktion – dem Kontaktverbot folgend waren nur wenige eingeweiht – wurden dubiose Tütchen bedruckt. Eine V-Frau bekam den Auftrag für entsprechende Besorgungen im benachbarten Großmarkt. Würde sie das gewünschte, jedoch verdächtige oder gar verbotene Material erhalten? Es wurde geschrieben, gedruckt, gefaltet. Zuletzt noch die Tütchen mit dem in Zeiten eines Karnevalsverbotes subversiven Material gefüllt und später von weiteren V-Leuten in die Briefkästen der Mitglieder der Frauengemeinschaft verteilt. Tütchen gefüllt mit „Freude“.

Vielleicht fragen Sie sich jetzt: Kann man Tütchen mit „Freude“ füllen? Fragen Sie das mal die kfd-Frauen! Sie werden ganz sicher ein „Ja“ als Antwort erhalten. Die vielen positiven Rückmeldungen haben uns gezeigt, die „Freude“ ist angekommen. Mittlerweile hat sich auch herumgesprochen, was die Tütchen enthielten. Nun ja, man kann es auch ein karnevalistisches Notfall-Packet nennen. Zunächst war da eine Mini-Büttenrede:

 

Karneval ganz ohne Frage verspricht stets heitre Feiertage,

schon vorher überlegt man schwer, wo kriegt man ein Kostümchen her?

Es soll nicht 0-8-15 sein, nicht zu groß und nicht zu klein,

schön bunt, modern und auch bequem, meist hat man so eins grad geseh‘n.

Man macht sich dann ins Städtchen auf zum Karnevalskostüm-Einkauf.

So war es mal, muss man jetzt sagen, Kostüme soll man grad nicht tragen,

auch Feiern ist strikt untersagt, dabei wär‘ Frohsinn so gefragt.

Ein Virus, hinterlistig klein, verdirbt jetzt Spaß und Fröhlichsein.

Doch Frauen, lasst uns nicht verzagen, wir dürfen alle MASKEN tragen.“

(Verfasst von Elke Aretz)

 

Dieser Text wurde auf eine schöne kfd-Karte gedruckt und in die Tüte gesteckt. Und dann waren da noch eine Tröte, Kamellchen, eine Handvoll Konfetti, eine Luftschlange und natürlich auch das Gebet von Thomas Morus. Dieses endet übrigens mit der Bitte: „Herr, schenke mir Sinn für Humor, gib mir die Gnade, damit ich ein wenig Glück kenne im Leben und anderen davon mitteile.“

 

Anderen Freude und Glück schenken – ist das nicht eine der wichtigsten christlichen Aufgaben? Freude lässt sich immer verschenken. Das muss nicht unbedingt eine kleine Tüte mit Luftschlagen und Konfetti sein. Mir macht es schon unglaublich Freude, wenn ich diese wunderbaren Lachfältchen um die Augen meines Gegenübers sehen kann. Davon kann ich gar nicht genug bekommen…

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen frohe (Karnevals-)Tage!

Manuela Thies-Diekamp, Gemeindereferentin