GdG St. Peter Mönchengladbach-West

Fratelli tutti...

Fratelli tutti (c) xx
Fratelli tutti
Datum:
Fr 9. Okt 2020
Von:
Elke Aretz

Fratelli tutti...

… heißt die neue Enzyklika unseres Papstes, die am Vorabend des 4. Oktober  veröffentlicht wurde: Er zitiert damit seinen Namenspatron, den hl. Franziskus, der einmal zu seiner Zeit „An alle Brüder (und Schwestern)“ einen Brief richtete.  

„Dieser Heilige der geschwisterlichen Liebe, der Einfachheit und Fröhlichkeit, der mich zur Abfassung der Enzyklika Laudato si’ anregte, motiviert mich abermals, diese neue Enzyklika der Geschwisterlichkeit und der sozialen Freundschaft zu widmen“, schreibt der Papst.

Und so liest sie sich als ein eindrücklicher Appell an Kirche und Welt zu einer Kultur der Geschwisterlichkeit, zur Überwindung von Spaltungen und Grenzen. Ein Appell, der nottut – denn die Welt scheint eher auseinanderzudriften als zusammenzuwachsen. Die Engländer, die die EU verlassen haben. Die amerikanische Gesellschaft, die tief gespalten ist.  Nationalismus statt Solidarität in Europa, vor allem in der Flüchtlingsfrage. Das Corona-Virus, das die Unterschiede zwischen reichen und armen Ländern, zwischen Millionären und Habenichtsen noch verstärkt. Auch in der Kirche brechen immer wieder Konflikte zwischen „Reformern“ und „Bewahrern“ auf; es ist zu hoffen, dass der „Synodale Weg“ solche Konflikte befrieden kann.

Wo Spaltungen überwunden werden sollen, muss man kompromissbereit sein. Wo man beieinander bleiben oder sogar zusammenwachsen möchte, kann man nicht bei den eigenen Interessen stehen bleiben. Und wenn wir auf unser eigenes Leben schauen, dann sehen wir, wie schwer das sein kann, von eigenen Interessen abzusehen. Wie unbeweglich wir sind. Daher wundert es nicht, wenn auch im politischen, gesellschaftlichen  und kirchlichen Leben (übrigens auch in der vatikanische Kurie...) Kompromisse nur schwer zu erringen sind. Wir müssen manchmal über den eigenen Schatten springen, damit Gemeinschaft möglich ist und bleibt.

Im Epheserbrief heißt es einmal: Denn er [Christus] ist unser Friede. Er vereinigte die beiden Teile [Juden und Heiden] und riss die trennende Wand der Feindschaft in seinem Fleisch nieder. (Eph 2,14)

Das mag uns als Christinnen und Christen anspornen. Im Christusereignis ist eine  Grenzen überwindende Zusammengehörigkeit aller Menschen grundgelegt. Die Menschheit nicht als Ansammlung unterschiedlicher Interessen, sondern als Gemeinschaft der Kinder Gottes, die untereinander Brüder und Schwestern sind. Tragen wir mit dazu bei, dass dies immer deutlicher und konkreter wird. Helfen kann dazu das Gebet, das Papst Franziskus an den Schluss seiner Enzyklika gestellt hat:

Herr und Vater der Menschheit,
du hast alle Menschen mit gleicher Würde erschaffen.
Gieße den Geist der Geschwisterlichkeit in unsere Herzen ein.
Wecke in uns den Wunsch nach einer neuen Art der Begegnung,
nach Dialog, Gerechtigkeit und Frieden.
Sporne uns an, allerorts bessere Gesellschaften aufzubauen
und eine menschenwürdigere Welt
ohne Hunger und Armut, ohne Gewalt und Krieg.

Gib, dass unser Herz sich
allen Völkern und Nationen der Erde öffne,
damit wir das Gute und Schöne erkennen,
das du in sie eingesät hast,
damit wir engere Beziehungen knüpfen
vereint in der Hoffnung und in gemeinsamen Zielen. Amen.

 

(Pfr. Rüdiger Hagens)