GdG St. Peter Mönchengladbach-West

Grillabend im August

Grillabend im August

food-1898194_by_daria-yakovleva_pixabay_pfarrbriefservice (c)  Daria Yakovleva / Pixabay.com - Lizenz
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Fr 31. Jul 2020
Manuela Thies-Diekamp

Es ist herrlich an diesem August-Abend im Garten zu sitzen. Die Hauswand strahlt die Wärme ab, während in der Dämmerung die Kerzen auf dem Gartentisch für eine gemütliche Atmosphäre sorgen. Ein perfekter Abend zum Grillen! Erst zieht der Geruch der Holzkohle durch den Garten, dann der köstliche Geruch des Gegrillten. Man isst gemeinsam im Garten, hat Zeit. Es wird lange und viel erzählt. Ein perfekter Abend also…

…wenn nicht seit einiger Zeit auf den Vorschlag „Lasst uns doch mal wieder grillen!“ eine Diskussion beginnen würde, was auf den Grill gehört und was nicht. Während für den einen Teil der Familie klar ist, dass zum Grillen Würstchen und Steaks gehören – ordentlich mariniert und in ausreichender Menge, also mehr als reichlich. Verdreht der andere Teil die Augen: „Geht es auch ohne Fleisch?“ Und schon sind wir mitten in einer Diskussion über die Frage: Dürfen wir als Christ*innen guten Gewissens Fleisch essen? Ist das ethisch vertretbar?

60 Kg Fleisch werden pro Kopf und Jahr gegessen. Die intensive Landwirtschaft und die industrielle Nutztierhaltung, die erst den hohen Fleischkonsum in unseren Breitengraden ermöglichen verursachen 24% der jährlichen Treibhausemissionen weltweit und sind damit erheblich für den globalen Klimawandel verantwortlich. Dazu kommt ein immenser Bedarf von Boden und Wasser, zum Anbau von Futtermitteln. Selbst mir als Fleisch-Esserin kommen Bedenken, wenn ich an diesen maßlosen Fleischkonsum denke.

Das Schreddern von männlichen Jungküken soll bis 2021 endgültig verboten werden, zeigt aber die großen Defizite in der Tierhaltung und beim Tierwohl in der „Fleischindustrie“. 45 Millionen Küken wurden in 2019 lebendig geschreddert oder vergast, nur weil Hähne weder Eier noch genügend Fleisch produzieren. Es gibt Schweine, die in ihrem Leben nie Tageslicht gesehen haben. Rinder und Schweine werden tausende Kilometer durch ganz Europa gekarrt. Das ist Stress pur für die Tiere. Der Verein „Rettet das Huhn“ vermittelt Legehennen aus Massentierhaltung, die aussortiert und vernichtet werden sollen, nachdem ihre Eierproduktion abnimmt. Ohne eine Feder am Körper verlassen die Hennen die Produktionsstätte und erhalten nur durch den Verein ein zweites, artgerechtes Leben mit viel Platz, Bewegung und frischer Luft.

Dürfen wir als Christ*innen überhaupt Tiere töten? Was sagt die Bibel dazu? Und was erfahren wir von Jesus? In aller Kürze: Wir können davon ausgehen, dass Fleisch zu biblischen Zeiten sehr wenig konsumiert wurde, bei religiösen oder familiären Festen zum Beispiel. Der Vater im Gleichnis vom verlorenen Sohn lässt das Mastkalb schlachten, um die Rückkehr seines Sohnes zu feiern (Lk 15, 1-10). Im Gleichnis vom verlorenen Schaf und vom guten Hirten beschreibt sich Jesus selbst als ein Hirte, der sich um jedes einzelne Tier seiner Herde sorgt (Lk 15,1-6/ Joh 10,11). Wir alle kennen Psalm 23 „Der Herr ist mein Hirt“. Manche Theologen vertreten die Ansicht, dass Adam und Eva sich im Paradies nur von Pflanzen und Früchten ernährt haben (Gen 2,15). In Jesaja 11, 6-9 heißt es: „Der Wolf findet Schutz beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen (…) Der Löwe frisst Stroh wie das Rind.“ Die Sorge für das Tier gehört zum biblischen Schöpfungsauftrag. Auch wenn nicht zu einem vegetarischen oder veganen Leben aufgerufen wird, ganz sicher fordert die Bibel aber zu einem achtsamen Umgang mit der Schöpfung und ihren Lebewesen auf.

Die Corona-Ausbrüche in einigen Betrieben der Fleischindustrie, aber aktuell auch bei Erntehelfern haben noch einen anderen Aspekt deutlich gemacht. Wie leben die Menschen, die dafür sorgen, dass wir möglichst preiswertes Essen auf dem Teller haben? In menschenverachtenden Behausungen und Sammelunterkünften? Pfr. Peter Kossen spricht von „moderner Sklaverei“. Gut, dass die Politik hier endlich wach wird. Es geht nicht an, dass Menschen, Tiere und Klima unter unserem maßlosen Fleischgenuss leiden. Die Sterneköchin Sarah Wiener kritisiert, dass ein Kilo Fleisch „billiger sei als eine Parkstunde in München-Mitte oder eine Kinokarte“. Für eine ökologisch nachhaltige und tierwohlfreundliche Landwirtschaft mit humanen Arbeitsbedingungen müssen wir Verbraucher eben auch einen höheren, gerechten Preis bezahlen.

Ich esse gerne Fleisch, habe mir aber vorgenommen, dass bei uns Fleisch seltener auf den Tisch kommt, vielleicht im Sinne des früheren „Sonntagsbratens“ ein bis zweimal in der Woche. Und auch beim Einkaufen will ich mehr auf die Qualität achten und möglichst Bio-Fleisch kaufen.

In 1. Korinther 10,31 heißt es: „Ob ihr nun esst oder trinkt oder sonst etwas tut – tut alles zur Ehre Gottes!“ Übrigens hat Jesus gerne gegessen. Schauen Sie einmal in die Bibel, wie oft da von Begegnungen und gemeinsamen Essen erzählt wird. Auch in den biblischen Texten von diesem Sonntag hören wir davon. Essen stiftet Gemeinschaft. Und was gibt es da Schöneres als einen gemeinsamen Abend im Garten?

Manuela Thies-Diekamp, Gemeindereferentin