kreuz-in-felsnische_by_Andreas_Kochs_pfarrbriefservice (c) Bild: Andreas Kochs In: Pfarrbriefservice.de

Menschenwerk? Gotteswerk?

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Datum:
Do. 4. Mai 2023
Von:
Pfarrer Rüdiger Hagens

Die Lesungen der Messfeiern in der Osterzeit sind durchgängig der Apostelgeschichte entnommen. Wir hören, wie es nach Ostern, nach der Auferstehung Jesu weiterging: mit den Aposteln, mit der Kirche, in Jerusalem, in Antiochia, in anderen Städten und Gebieten des Römischen Reiches.

Und in diesem Zusammenhang fiel mir kürzlich ein Wort des Pharisäers Gamaliel auf. Im Hohen Rat wird diskutiert, wie man mit der neuen Jesus-Bewegung und ihren Protagonisten umgehen soll. Tolerieren? Verbieten? Verfolgen? Da erhebt sich besagter Gamaliel und gibt der versammelten Runde folgenden Rat: „…wenn dieses Vorhaben oder dieses Werk von Menschen stammt, wird es zerstört werden; stammt es aber von Gott, so könnt ihr sie nicht vernichten… (Apg 5,38f.)

Ein bemerkenswertes Wort. Zum einen macht es uns darauf aufmerksam: Kluge Einsichten können damals wie heute auch von Leuten stammen, mit denen wir ansonsten nicht einer Meinung sind, die einer „anderen Fraktion“ angehören. Wir sollten nicht voreingenommen sind. Nur weil „der“ oder „die“ etwas sagt, muss es nicht falsch sein!

Zum anderen ist es ein Wort der Ermutigung im Hinblick auf unsere Kirche. Die gibt es seit 2000 Jahren. Sie hat Herrscher, Imperien, Reiche, Kriege, Verfolgungen überlebt. Die römischen Kaiser sind Geschichte – Jesus Christus ist immer noch präsent im Herzen und im Leben vieler Menschen.

Das mag uns ein Fingerzeig sein. So sehr die Geschichte der Kirche auch eine Kriminalgeschichte war, so sehr wir auch heute noch mit ihren Unzulänglichkeiten, Versäumnissen, Fehlbarkeiten, ja sogar strafbaren Handlungen konfrontiert sind (etwa im jüngsten Gutachten zum sexuellen Missbrauch im Erzbistum Freiburg) – da scheint es doch eine Glut zu geben, die nicht ausgelöscht werden kann. Einen inneren Wesenskern, der unzerstörbar ist. Ein untergründiges Fundament, das allen Angriffen standhält.

Ja, diese Kirche ist vielfach Menschenwerk. Aber in ihrem Wesen, ihrer Substanz kommt sie von Gott her. Das hat der Nicht-Christ Gamaliel richtig gesehen. Sie ist Gotteswerk - sonst wäre sie schon im Strom der Zeit untergegangen, meint

Pfr. Rüdiger Hagens