GdG St. Peter Mönchengladbach-West

Papa! Weck mich!

Papa weck mich (c) Peine
Datum:
Fr. 1. Okt. 2021
Von:
Monika Peine Gemeindereferentin

Papa! Weck mich!

Heute Morgen ertöne gegen vier Uhr aus dem Nachbarhaus ein gellender Schrei: „PAAPPPAAAAA! WECK MICH! KINDERGARTÄÄÄÄN!“ Junior war also wach und damit auch die gesamte Nachbarschaft.

Ich kann gar nicht beschreiben, wie sehr ich mich erschrocken habe.

Etwa eine Stunde später erwischte ich mich, mit einem Pott Kaffee in der Hand, auf der Terrasse sitzend, in Gedanken versunken über mich und die vielfältigen Probleme dieser Welt.

Dieser Tage hat ein Bekannter auf die Frage, wie es ihm gehe, zu mir gesagt: „Ich fühle mich wie gelähmt, weil ich das Gefühl habe, dass die Welt untergeht. Erst die Pandemie, dann das zerstörende Unwetter im Juli, die politische Lage in Afghanistan, die nicht enden wollenden Berichte über Mikroplastik in unserer Umwelt und jetzt auch noch der Vulkanausbruch auf La Palma.“

Angesichts der vielen katastrophalen Nachrichten, die uns täglich erreichen, kann ich seine Gefühlslage mehr als gut verstehen.

In unserem Gespräch kamen wir schnell darauf, dass wir beide ganz alleine faktisch nicht in der Lage sind, sie gesamte Welt zu retten, denn wir sind weder Fachleute für Politik, Vulkanologie, Medizin, Biologie noch für Chemie. Was wir allerdings machen können und meiner Ansicht nach auch müssen, ist in unserem je eigenen Mikrokosmos, unseren Teil zur Verbesserung der Lage beizutragen. Das wiederum bedeutet Umsicht und sicher oft schmerzlichen Verzicht.

Ein kleines Beispiel:

Wenn ich ganz ehrlich mit mir selber wäre, dürfte ich im Grunde meinen geliebten Kaffee schon lange nicht mehr trinken, denn auch wenn er fair gehandelt ist, hat er eine schlechte Ökobilanz. Aber anstatt konsequent zu verzichten, rede ich mir selber die Lage schön: Ich trinke Filterkaffee und die Filtertüten sind schließlich biologisch abbaubar. Eine Alu-Kapselmaschine kommt mir schon aus Prinzip nicht ins Haus und außerdem rette ich ja unzählige Arbeitsplätze in den Ländern, aus denen der Kaffee kommt.

Es ist natürlich viel einfacher die Menschen zu verurteilen, die sich einen „Coffee to go – Becher“ kaufen, als selber Verzicht zu üben.

Hier auf Gebote bzw. Verbote aus der großen Politik zu warten, dauert mir ehrlich gesagt zu lange.

Mittelfristig wird uns allen nichts anderes übrig bleiben, als unsere Verhaltensweisen kritisch anzuschauen, konsequent zu verändern und Einschränkungen in Kauf zu nehmen. Mir ist durchaus bewusst, dass der Preis hoch ist, wenn wir uns dem jedoch entziehen, ist die Katastrophe vorprogrammiert.

Franz von Assisi, dessen Gedenktag wir am 4. Oktober begehen, hat in seinem Sonnengesang deutlich gemacht, wie schön Gottes Schöpfung ist und wie sehr es sich lohnt, zu deren Erhaltung beizutragen.

In diesem Sinn ruft meine Seele zu Gott: „Abba, Väterchen, wecke mich!“

Monika Peine, Gemeindereferentin

Den Sonnengesang des Franz von Assisi finden Sie im Gotteslob:

Als ins Deutsche übersetzen Urtext unter der Nummer 19,2

und in einer Vertonung aus dem 19. Jhd. unter Nummer 466.