GdG St. Peter Mönchengladbach-West

Segnen

SEGNEN (c) Bild: Peter Weidemann In: Pfarrbriefservice.de
Datum:
Do. 8. Juli 2021
Von:
Manuela Thies-Diekamp, Gemeindereferentin

Die alte Dame lächelt verschmitzt, als wir uns nach einem längeren Gespräch an der der Wohnungstüre verabschieden. „Darf ich sie segnen?“, fragt sie. Und dann umarmt sie mich – auf Abstand – indem sie ihre Arme zu einem Kreis legt und dann zeichnet sie mit ihrem Daumen ein kleines Kreuz in die Luft auf Höhe meiner Stirn. Man kann die Freude und den Schalk in ihren Augen blitzen sehen, als ich beides erwidere.

Wenn wir an Segen und Segnen denken, dann fällt uns vielleicht als erstes der letzte Gottesdienstbesuch ein – der Segen eines Priesters oder die Segensbitte, die ein*e Wortgottesdienstleiter*in gesprochen hat. Aber haben Sie auch schon einmal selbst gesegnet?

Ich kann mich gut erinnern, dass meine Großmutter ein kleines Weihwasserbecken hatte. Es hing an der Wand. Wir Kinder liefen gerne zur Kirche, um in einer kleinen Flasche Weihwasser nach Hause zu holen. Immer ein paar Tropfen waren bereit. Meine Oma hat uns oft damit gesegnet.

Segen und Segnen findet nicht nur im Gottesdienst statt. Und es ist nicht nur auf Seelsorger*innen beschränkt. Jede*r kann und darf segnen. Das lateinische Wort „benedicere“ hilft uns, die Bedeutung von „Segnen“ zu verstehen. „Bene dicere“ heißt übersetzt: „Gutes sagen“. Segnen heißt nichts anderes, als dem anderen alles erdenklich Gute zu wünschen: Glück, Gesundheit, Freude, Zufriedenheit…und Gott dabei einzubeziehen. All dieses Gute und Schöne für die anderen, die Gesegneten, erbitten wir bei Gott. Gott ist der Urheber all dieses Gutem. Wir vertrauen darauf, dass Gott uns mit seinem Segen begleitet.

Wenn wir Dinge segnen, dann geht es nie um den Gegenstand an sich, sondern immer um die Menschen, die mit den Dingen zu tun haben. Wird z.B. ein Feuerwehrfahrzeug gesegnet, dann ist damit die Bitte verbunden, dass Gott in größter Not da ist. Wir stellen die Retter und die Hilfebedürftigen unter den Segen und Schutz unseres Gottes und erhoffen, dass Auto und Mannschaft zum Segen werden.

Für mich ist die wunderbarste Bibelstelle zum Thema „Segen“ die von Abraham. Gott spricht zu Abraham: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.“ (Gen 12,2) Und Abraham zieht mit Gottes Segen und Beistand in ein neues Land und ein neues Leben. Er erhält den Segen Gottes, wird aber dadurch selbst zu einem Segen für andere. Der empfangene Segen ist also die Grundlage dafür, dass Menschen diesen Segen auch weitergeben und anderen Menschen zum Segen werden können.

Segen Sie doch einfach mal – vielleicht Ihre Kinder oder Ihren Partner oder Ihre Freundin oder einfach jemanden, der oder die Ihnen am Herzen liegt! „Gott segne dich!“ reicht eigentlich schon.

Natürlich gibt es auch wunderschöne Gebete, wie zum Beispiel den „Irischen Reisesegen“:

Der Herr sei vor dir, um dir den rechten Weg zu zeigen.

Der Herr sei neben dir, um dich in die Arme zu schließen und dich zu schützen.

Der Herr sei hinter dir, um dich zu bewahren vor der Heimtücke böser Menschen.

Der Herr sei unter dir, um dich aufzufangen, wenn du fällst, und dich aus der Schlinge zu ziehen.

Der Herr sein in dir, um dich zu trösten, wenn du traurig bist.

Der Herr sei um dich herum, um dich zu verteidigen, wenn andere über die herfallen.

Der Herr sei über dir, um dich zu segnen.

 

Einen gesegneten Sommer

wünscht Ihnen

Manuela Thies-Diekamp, Gemeindereferentin