GdG St. Peter Mönchengladbach-West

So eine Gefängniszelle...

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gefängnis
Do 14. Nov 2019
Rüdiger Hagens, Pfr.

… ist übrigens ein ganz guter Vergleich für die Adventssituation; man wartet, hofft, tut dies und jenes – letzten Endes Nebensächliches – die Tür ist verschlossen und kann nur von außen geöffnet werden.

Das schrieb der evangelische Theologe und Märtyrer Dietrich Bonhoeffer am 21.11. 1943 in einem Brief an seinen Freund Eberhard Bethge. Und das schrieb er nicht nur so dahin – er war zu diesem Zeitpunkt schon mehrere Monate in der Militärabteilung des Gefängnisses Berlin-Tegel inhaftiert.

Advent – wie das Sitzen in einer Gefängniszelle? Ein ungemütlicher Gedanke. Verbinden wir doch den Advent eher mit Gemütlichkeit, Plätzchenbacken, Glühwein, Vorbereitungen auf Weihnachten. Aber wenn wir uns auf den Ursprung des Advents besinnen, auf die biblischen Texte, dann ist da was dran: Wir sind Wartende. Wir hoffen auf Erlösung. Und das heißt ja: wir warten nicht nur auf die Ankunft des Erlösers in der Niedrigkeit der Krippe – wir warten auf seine Ankunft in Herrlichkeit am Ende der Zeiten. Und wann das ist, wann sich die Tür zur Vollendung öffnet – das wissen wir nicht: Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater (Mt 24,36). Wir können nur hoffen, dass da einer aufschließt. Unseren Planungen und Machbarkeiten sind Grenzen gesetzt – wie einem inhaftierten Menschen.

Dazu kommt: Immer wieder haben mir Inhaftierte in meiner Zeit als Gefängnisseelsorger erzählt, dass sie jetzt, im Knast, eigentlich erst so richtig dazu gekommen seien, über ihr Leben mal nachzudenken. Sich zu sortieren. Auch außerhalb einer Gefängniszelle eine adventliche Tugend: sich bewusst dem äußeren Betrieb zu verschließen, um innerlich wach zu werden und zu reifen.

Gefängniszelle Advent? Ungemütlich? Ja, schon. Wer sich selbst in den Blick nimmt, wird nicht nur Angenehmes entdecken. Aber auch tröstlich: Es wird einer kommen und öffnen. Es wird einer kommen und uns aus dem Gefängnis unserer Nöte, unserer Sorgen, unserer Verhärtungen, unserer Sünden erlösen. Es wird einer kommen und alles vollenden – und wir müssen es nicht selbst machen und planen.

Pfr. Rüdiger Hagens