GdG St. Peter Mönchengladbach-West

Wähle das Leben!

Wähle das Leben

Leben retten klein (c) Peter Weidemann - pfarrbriefservice.de
Datum:
Fr. 17. Sep. 2021
Von:
Manuela Thies-Diekamp

Am 28.9. ist Bundestagswahl. Wissen Sie schon, was Sie wählen?

Eine Woche vor der Wahl sind noch 40% der Bevölkerung unentschlossen. Ein Triell löst das nächste ab, eine Wahlarena eine weitere. Und auch ich weiß immer noch nicht, welcher Partei ich letztlich meine Stimme geben möchte.

Nicht wählen gehen, das ist für mich keine Option, denn ich weiß, dass ich dann Parteien in die Karten spiele, die ich niemals wählen würde, weil sie in meiner Einschätzung antidemokratisch und unchristlich agieren. Jede nicht abgegebene Stimme stärkt diese Parteien. Also sehe ich es als meine christliche und staatsbürgerliche Pflicht an, am nächsten Sonntag meine Stimme abzugeben.

Als Theologin frage ich neugierig, was eigentlich die Bibel dazu sagt? Gibt es auch eine „Wahl“ oder ein „Wählen“ in der Bibel? Und hilft das vielleicht sogar bei der Wahl am nächsten Sonntag?

Am Ende des Buches Deuteronomium spricht Moses zu seinem Volk, dem er zuvor die Gebote Gottes ausführlich vorgelegt hat, sozusagen in einer Schlussrede: „Leben und Tod lege ich dir vor, Segen und Fluch. Wähle also das Leben, damit du lebst, du und deine Nachkommen.“ (5. Mose 30,19) Eigentlich ist für Moses die Sache klar: Bei dieser Wahl gibt es nur eine Option und Antwort auf das Werben eines liebenden Gottes, die Wahl des Lebens. Also ist es doch keine „echte“ Wahl, vor die Gott uns stellt?

Angesichts der vielen Gebote und Gesetze im 5. Buch Mose wird eine „Wahl des Lebens“ zu einer echten Entscheidung, die sich in vielen alltäglichen Entscheidungen bewähren muss. Zum Beispiel heißt es in Kapitel 10 „Denn der HERR, euer Gott (…) verschafft Waisen und Witwen ihr Recht. Er liebt die Fremden und gibt ihnen Nahrung und Kleidung - auch ihr sollt die Fremden lieben, denn ihr seid Fremde in Ägypten gewesen.“ (5. Mose 10,17-19) Gott stellt sich auf die Seite der Hilfsbedürftigen und fordert uns heraus. Eine „Wahl des Lebens“ würde demnach für uns heute bedeuten, dass wir uns auch in Deutschland für Geflüchtete weltweit einsetzen müssen, ihnen aber auch ein neues Zuhause geben mit Sicherheit, Kleidung, Nahrung, Wohnraum, Arbeitsplätzen. Und Gott ist da keinesfalls bestechlich und beschränkt sich nicht auf eine übersichtliche und festgelegte Anzahl von Menschen. Am Tag des Flüchtlings am 24.9.2021 zeigen die christlichen und orthodoxen Kirchen gemeinsam mit PRO ASYL ihre Solidarität mit den aktuell weltweit 79,5 Millionen Menschen, die auf der Flucht sind vor Hunger, Krieg, Gewalt, Verfolgung und Klimakatastrophen, wie Dürre, Überflutungen oder Orkane. Nach Informationen der „Aktion Medeor“ sind 53% der Geflüchteten Kinder. Was sind da im Vergleich die 112.000 Asylanträge, die 2021 in Deutschland gestellt wurden?

Allein dieses Beispiel zeigt, dass es keine einfache Entscheidung gibt unter dem Motto, klar entscheide ich mich für das „Leben“. Denn es geht nicht nur um mein Leben, sondern um das Leben auf der ganzen Welt, Leben für alle Menschen, Pflanzen und Tiere, auch für zukünftige Generationen. Eine Wahl des Lebens schließt Rassismus und Diskriminierung jeglicher Art aus. Sie beinhaltet den Einsatz für Umwelt und Klimaschutz, um eine Zukunft für nachfolgende Generationen zu sichern. Jeden Tag muss sie sich in vielen alltäglichen Einzelentscheidungen bewähren. Hier lohnt ein Blick in das göttliche Wahlprogramm, das uns in der Bibel und im Leben Jesu beispielhaft vorliegt.

Für die Wahl am Sonntag könnten wir dann kritisch nachfragen, ob die Wahlprogramme der einzelnen politischen Parteien für die Bundestagswahl mit dem göttlichen Wahlprogramm kompatibel sind und so zu einer Entscheidung kommen.

In diesem Sinne gehen Sie am Sonntag zur Bundestagswahl.

„Wähle das Leben.“

Manuela Thies-Diekamp, Gemeindereferentin