GdG St. Peter Mönchengladbach-West

Was eine Eins mit Sternchen mit Gott zu tun hat…

Gott mit Sternchen (c) MTD
Gott mit Sternchen
Datum:
Fr 25. Sep 2020
Von:
Manuela Thies-Diekamp

Auf dem Gymnasium hatten wir damals in den 80ern zwei Lehrerinnen, die besondere Leistungen besonders würdigen wollten. Oft reichte es ihnen nicht, für eine sehr gute Klassenarbeit oder Hausarbeit einfach eine 1+ zu geben. Herausragendes musste herausragend belohnt werden. Unter diesen Arbeiten stand dann eine 1* (Eins mit Sternchen). Später in der Oberstufe gab es dann – so wie heute – Punkte, und nach 15 Punkten gab es leider keine Luft mehr nach oben.

Daran musste ich denken, als ich für die Vorbereitung eines Frauengottesdienstes nach Ideen gesucht habe. Beim ersten Mal habe ich es noch überlesen, beim zweiten Mal aber bin ich geradezu darüber gestolpert: Gott*. Gott mit Sternchen. Plötzlich fiel es mir immer wieder auf. Die kfd benutzt es in ihren neueren Veröffentlichungen, so wie viele andere katholische Verbände, nachdem die Katholische Studierende Jugend KSJ damit eine Kampagne begonnen hat.

Das Gender-Sternchen. Heiß diskutiert. Die einen denken es geht gar nicht ohne, für sie ist es ein MUSS. Andere verbieten es gar ihren Mitarbeitenden im offiziellen Schriftverkehr. Die Bedeutung muss ich an dieser Stelle eigentlich nicht extra erklären. Liebe Lesende, wenn ich „liebe Leser*innen“ schreibe, dann achte ich das Gefühl meiner Leserschar, in der sich viele als Männer oder Frauen fühlen, aber auch alle einbezogen sind, die sich nicht einer dieser beiden Kategorien zuordnen möchten. Das Leben, die Menschen sind unterschiedlich, divers eben.

An dieser Stelle möchte ich auch erwähnen, dass immer dann, wenn in der Kirche von „Brüdern“ oder „Brüderlichkeit“ die Rede ist, ich ganz unruhig werde. Eigentlich müsste ich doch jetzt etwas sagen… „Nennt mich nicht Brüder!“ Ich bin eine Frau, bin kein Bruder und werde es auch nie sein! Ich verstehe den Sinn des Wortes „Brüderlichkeit“ in der theologischen Bedeutung und trotzdem fühle ich mich als Frau ausgeschlossen und bin verletzt. Ich bin eine „Schwester“. Gott sei Dank, sind die Lieder im Gotteslob geändert worden. So kann ich (wenn wir dann wieder in der Kirche singen dürfen) unbeschwert im Gottesdienst mitsingen.

Warum aber hat Gott jetzt plötzlich ein Gendersternchen? Gott* – Gott mit Sternchen. Was soll das? Da stutze ich zunächst auch…

Unsere Verkündigung ist ganz von den Worten und der Verkündigung Jesu geprägt. Und das ist gut und authentisch. Jesus erzählte überzeugend von seinem Vater im Himmel. Wir alle haben dieses Gottesbild so sehr verinnerlicht, dass wir manchmal gar nichts anderes mehr denken können. Dabei vergessen wir ganz, dass Gott immer größer, immer mehr ist, als das, was wir von ihm denken, wie wir ihn uns vorstellen. Die Bibel ist ein Schatz, eine Fundgrube, in der wir noch viel mehr über Gott erfahren. In vielen, ganz unterschiedlichen Bildern erzählt sie von Gott.

Es gibt Religionen, in denen die Gläubigen den Namen Gottes nicht aussprechen dürfen als Zeichen der Ehrfurcht vor Gottes Größe. Ähnliches gilt für das alttestamentliche Bilderverbot: „Du sollst dir von Gott kein Bild machen.“ Namen und Bilder machen den Unfassbaren fassbar. Aber das ist Gott nicht. Er ist und bleibt für uns Menschen nicht umfassend zu begreifen.

Das Sternchen kann uns daran erinnern. Für manche mag das Bild vom Vater im Himmel ein Trost und eine Hilfe sein. Andere fühlen sich vielleicht von anderen Bildern eher angesprochen – vielleicht haben sie sogar einen liebenden Vater in ihrer eigenen Biografie und Familie nie erlebt und deshalb keinen Zugang. Für sie mag es ein Trost sein, zu hören, dass Gott wie eine Henne ist, die ihre Küken beschützt. Oder wie eine feste Burg, die Schutz und Geborgenheit schenkt. Oder wie eine Frau, die den Tisch deckt oder Sauerteig knetet. Oder wie…

Und doch ist Gott immer mehr, mehr als unsere Worte und Bilder ihn beschreiben können. Für mich ist das Sternchen hinter dem Wort „Gott“ ein Zeichen, das mich daran erinnern soll. Man kann es benutzen, muss aber nicht. Ein bisschen ist es so, wie damals in meiner Schulzeit die Eins mit Sternchen. Das Sternchen gibt dem Wort „Gott“ eine zusätzliche, ganz besondere, herausragende Note.

Manuela Thies-Diekamp, Gemeindereferentin