GdG St. Peter Mönchengladbach-West

Wendezeit

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wende
Mo 7. Okt 2019
Rüdiger Hagens, Pfr.

1989 – 2019. In diesem Herbst schauen wir in Politik und Gesellschaft genau 30 Jahre zurück, auf die Monate der sogenannten „Wende“ in der ehemaligen DDR. Montagsgebete, Demonstrationen, Botschaftsflüchtlinge, Konzessionen des Regimes, Mauerfall…

Wende – das ist ein treffendes Wort für das, was damals geschah. Eine Wende – das kennt man vom Segeln. Man muss die Segel komplett umstellen, anders in den Wind ausrichten.

Eine Wende – das kennt man von einer Sackgasse oder vom Navi. Man muss umdrehen.

Eine Wende – das ist etwas Radikales. Das heißt: so wie bisher geht es nicht mehr weiter. Ein paar Reförmchen tun es nicht mehr. Es braucht einen wirklichen Wandel. Eine klare Richtungsänderung.  Eine Umkehr. Nicht 90°, sondern 180°.

Und es gibt offensichtlich Momente in der Geschichte eines Menschen, einer Religionsgemeinschaft, eines Volkes,  wo eine Wende nötig ist. Dann gibt es einen Umbruch, eine Wendezeit.

Wenn ein Mensch erkrankt und erkennt: ich muss mein Leben radikal umstellen. Mich anders ernähren. Das Rauchen aufgeben. Mehr Sport machen.

Das Auftreten Jesu war eine zeitgeschichtliche Wende. Seine erste Predigt lautete: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium“ (vgl. Mk 1,14f.). So wie bisher konnte es religiös in Israel nicht weitergehen. Der neue Wein musste in neue Schläuche gefüllt werden (vgl. Mk 2,22).

Zu erinnern wäre auch an die Reformation im 16. Jahrhundert. An das Ende des 1. Weltkriegs.

Und eben das Jahr 1989. Das System des Sozialismus war nicht mehr reformierbar, es musste abgeschafft werden. Der Staat DDR hatte abgewirtschaftet, er war nicht mehr zu halten.

Im kirchlichen Kontext des Jahres 2019 wäre zu fragen: Bedarf es nicht in manchen Fragen einer Wende? Eines wirklichen Einschnitts? Kann man die Ehelosigkeit der Priester aufrecht erhalten? Kann man Frauen dauerhaft und vollständig von kirchlichen Ämtern ausschließen? Können die Machtstrukturen so absolutistisch bleiben, wie sie sich derzeit darstellen?

Hoffen wir, dass der von der Bischofskonferenz und vom Zentralkomitee der Deutschen Katholiken beschlossene „Synodale Weg“ in Deutschland zu konkreten Ergebnissen führt. Zu einer Wende.

Pfr. Rüdiger Hagens