GdG St. Peter Mönchengladbach-West

Der Fall des Pfarrers Norbert K.....

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Risse
Do 14. Nov 2019
Rüdiger Hagens, Pfr.

…sorgt derzeit in Mönchengladbach für Aufsehen und löst unterschiedliche Reaktionen  aus. In solchen Fällen ist es meines Erachtens hilfreich, innezuhalten und den Sachverhalt unter verschiedenen Gesichtspunkten zu betrachten. Dies will ich im Folgenden versuchen und meine persönliche Sicht darlegen.

  • Als Priester des Bistums Aachen bin ich froh, dass das Bistum geradlinig, konsequent und ohne Ansehen der Person agiert. Wo nicht nur ermittelt wird, wo nicht nur ein Anfangsverdacht besteht, sondern Anklage erhoben wird, ist es aus Gründen der Glaubwürdigkeit und Transparenz notwendig, die Öffentlichkeit zu informieren, vor allem natürlich die unmittelbar betroffenen Gemeinden, und gleichzeitig den beschuldigten Priester vom Amt zu suspendieren. Dies gebietet der Respekt vor dem Leiden der Opfer, vor der Besorgnis der Gemeindemitglieder und verhindert weitere Missverständnisse oder gar Übergriffe.
  • Als ehemaliger Gefängnisseelsorger möchte ich darauf hinweisen: die Unschuldsvermutung gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung. Und selbst wenn eine Verurteilung erfolgen sollte: ein Mensch, der eine Straftat begangen hat, verliert dadurch nicht seine Würde - denn diese ist ihm von Gott gegeben und kann ihm daher von uns weder zugesprochen noch abgesprochen werden. Auch ein Straftäter ist und bleibt ein Mensch, den wir anständig behandeln müssen. Deswegen sollte man Begriffe wie „Kinderschänder“ vermeiden. Anständige Behandlung meint natürlich nicht, dass jemand nicht bestraft wird oder einfach wieder in eine bestimmte Tätigkeit zurückkehren kann. Das ist eine andere Frage, die geklärt werden muss, wenn sie ansteht. Deswegen noch einmal: Es gilt die Unschuldsvermutung, ein möglicher Prozess ist abzuwarten, und vorher sollte man nicht unnötig spekulieren.

  • Als Mitbruder hoffe ich, dass die Vorwürfe sich als haltlos erweisen. Vor allem aber hoffe ich, dass es – wie auch immer es ausgeht – für Norbert K. einen Weg gibt, der für ihn gangbar ist und ihn menschlich nicht völlig zerstört. Dafür bete ich – ebenso wie für die Menschen, die in unserer Kirche Opfer sexueller Übergriffe geworden sind.

  • Als Leser der örtlichen Zeitung ärgere ich mich über die Berichterstattung. Information ja – aber in dieser Form: nein. Es ist nicht in Ordnung, bevor überhaupt ein Prozess anberaumt ist, in dieser Breite und Aufmachung im Lokalteil und allgemeinen Teil zu berichten. Da nützt es auch nichts, wenn der Anwalt zu Wort kommt und auf die Unschuldsvermutung hingewiesen wird. Hier wird eine Öffentlichkeit hergestellt, die für alle Beteiligten ungut ist und einer Vorverurteilung nahekommt.

  • Als Leiter unserer GdG bin ich froh, dass wir seit einigen Monaten ein ausgearbeitetes und online verfügbares Schutzkonzept haben (https://gdg-mg-west.de/ueber-uns/praevention). Umso wichtiger ist es, dass wir uns konsequent daran orientieren. Alle, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, müssen eine entsprechende Präventionsschulung machen oder vorweisen. Lieber einmal zu viel geschult als einmal zu wenig!

Pfr. Rüdiger Hagens